Der initiale Funke

Ich wäre wohl nie dazu übergegangen, meine Ängste zu hinterfragen. Es war klar, RC Rennen und war einfach nicht möglich. Ich hatte mich damit abgefunden und fuhr wie so viele „Wald-, Wiesen-, Parkplatz-, Kiesgruben- und Feldwegfahrer“ auf vorher ausgemachten Plätzen und Gelegenheiten. Ich hatte mich damit abgefunden, das RC Rennsport eben nur etwas für eine elitäre Gruppe, DMC Mitglieder, Vereinsmitglieder und Rennteams ist, nicht aber für mich… einen ganz normalen RC Hobby begeisterten.

Ich war damals in einer Facebook Gruppe die sich ab und an zum RC Fahren traf, denn es ist ja immer schöner, wenn man zusammen anstatt alleine das RC Hobby betreibt.

In dieser Facebook Gruppe gab es einen Artikel der mich aufhorchen ließ:

(Original Zitat des Artikels, Facebook von Owe Pauly aus dem Frühjahr 2015)

Hallo zusammen,
ich bin schon was länger hier stillschweigendes Mitglied und möchte dann heute doch endlich mal was schreiben.
Wir (ein Kumpel aus Reuffelbach) und ich (aus AK) fahren beide Offroad-Buggy (OR8) und fahren recht regelmäßig zu Rennen in der “Region”. Region in Anführungszeichen, weil wir teils doch weitere Strecken zurücklegen. Letztes Wochenende sind wir beim Anglühen der Nitromaniacs in Mönchengladbach gefahren. Ansonsten sind der Hessencup und einige Rennen des NRW-Cups sind unsere Heimat. Ich sag mal 250km Umkreis.
Solche Rennen sind in der Regel auf gesplittet in zwei Leistungsgruppen, je nach Fahrkönnen. Expert/Top bzw. Hobby. Wobei die besten Hobbyfahrer oft mit den Expert/Tops mithalten können. Ansonsten braucht man einen Buggy mit 3,5ccm Motor oder bei Brushless (nur Hessencup) mit max 4s. Neben einer Funke, die idealerweise 2,4Ghz funkt, benötigt man noch einen Transponder zur Zeitmessung (RC4). Ein Campingstuhl, Tisch und ggf. ein Pavillon runden die Sache ab. Beim Start in der Hobby-Klasse gibt es ein Reifenreglement. Reifen werden im z.B. beim Hessencup zu 25€ als Komplettsatz verkauft. Da hält kein mir bekannter Webshop mit.
Nennen, sprich Anmelden, muss man sich auch. Die Nenngebühr beträgt zwischen 15-20€. Dazu zählt man als nicht DMC-Mitglied noch 3€ Gebühr (Zwecks Versicherung und so).
Ein Rennwochenende läuft fast immer gleich ab. Samstags früh Anreise, Auspacken und die Gruppeneinteilung anschauen. Gemäß dieser Aufteilung geht es 3-4 Mal á 7-10 Minuten mit 8-12 Leuten gleichzeitig auf die Strecke (je nach Größe des Meldefelds). Nachmittags ist dann eine Fahrerbesprechung, dann kommt meistens der erste von 3 Qualifikationsläufen. Hier gibt es unterschiedliche Modis. Manchmal zählen die schnellsten 3-5 zusammenhängenden Runden, manchmal die beste Leistung über gesamte 5 Minuten. Da heißt es nicht umkippen. Spätestens bei den Qualiläufen stehen auch Streckenposten auf der Strecke. Man selbst muss dann auch immer im Anschluss an seinen Lauf auf die Strecke einen Posten einnehmen. Sonntags gibt’s dann auch noch zwei Qualiläufe. Anschließend werden nach den Ergebnissen der Qualiläufe die Finalläufe besetzt. Dann wird richtig Rennen gefahren. Bei jedem Finale gibt’s Aufsteiger. Wieder beeinflusst die Teilnehmerzahl die Anzahl der Aufstiegsplätze (oft 4) und die Laufdauer (min 10. Minuten für die kleinen Finals). Die größeren Finals werden 30-60 Minuten am Stück gefahren (Brushless 2×12 Minuten). Also hat auch die Boxencrew immer was zu tun
Wir sind keine Profis, haben dennoch viel Spaß dabei und versuchen immer das Beste für uns rauszuholen. Ich selbst fahre in der Hobbyklasse (komme meistens im Mittelfeld an und freue mich über jeden Finalaufstieg) und der Kumpel aus Reuffelbach fährt die Top/Expert-Klasse. Unsere Autos sind Xray XB9 und Durango DNX8 mit Alpha, FX und Novarossi-Motoren. Wobei sich das in der Regel daran orientiert was für Fahrzeuge sonst auf Cups gefahren werden (Stichwort Ersatzteilversorgung).
Außerhalb von Rennstrecken fahren wir eigentlich gar nicht. Es sei denn ein neuer Motor muss eingefahren werden.
Wer Interesse hat kann ja gerne mal schnuppern kommen. Das nächste Rennen findet bei Fulda am 2-3.Mai statt. Leider ist die Strecke dort wenig imposant. Dafür aber landschaftlich schön am ehemaligen Robbe-Werk.
Ansonsten einfach mal auf www.hessencup.de oder www.nrw-cup-or.de gucken.
Vielleicht habe ich ja Euer Interesse geweckt.“

Ich hatte den Facebook Artikel überfolgen. Mir kamen meine Ängste wieder in den Sinn und die unwiderrufliche Frage:

Sollte das wirklich alles so leicht sein?

Ich wusste bis dato nicht einmal, dass es Profi und Hobbyfahrer gibt! Aber wenn ich jetzt teilnehmen will, dann brauch ich doch einen zweiten Mann, wie finde ich diesen? Der Text hatte auf jeden Fall mein Interesse geweckt, er hatte einige Punkte erklärt aber auch wieder neue Fragen aufgestellt.

Danach folgte gefühlte 1001 Fragen und reale um die 100 Fragen über Facebook. Ich brauche nur einen Buggy, aber entspricht der dem Règlements? Wer wird mein Boxenhelfer? Was ist ein RC4 Transponder, wo bekomme ich den her und wo schließe ich diesen an? Welche Reifen fahre ich da, wo bekomme ich diese her? Wann muss ich da sein und was muss ich mit nehmen usw.

Da ich mir zu Weihnachten selber ein Bausatz geschenkt hatte, eine mittelmäßige 2,4 GHz Fernsteuerung hatte und einen etwas besseren Nitro Motor waren diese Anschaffungen außen vor. Also Stuhl, Pavillon, Tisch und einen RC4 Transponder

Es war sehr schnell der Kontakt zu dem Verfasser und seinem Kumpel vertieft und auf einige Telefonate angewachsen. Es stellte sich heraus, die kochen auch nur mit Wasser. Aber niemand springt gern ins kalte Wasser. So hatte ich dann vor, ein solches Rennen zu besuchen und mich mit einem der beiden einmal „Face to Face“ zu unterhalten.

Ich besuchte den im Artikel angesprochenen „Kumpel“ im Ort Linsengericht, das liegt südöstlich von Frankfurt (grob), der Verein heißt MSV Linsengericht e.V. und die Strecke „Linsenkessel“. Dort schaute ich mir den Vorlauf, die verschiedenen Läufe, das Kommen und Gehen rund um den Fahrerstand an. Im Anschluss schaute ich mir das Fahrerlager an und – zu meiner Überraschung – wurde man freundlich aufgenommen. Kein abwertender Blick, nach dem Motto „Was will dieser Frischling hier!“ Aber es war auch irgendwie ein reges Treiben im Fahrerlager. Da wurden Reifen montiert, demontiert, hier etwas am RC Buggy gebaut und dort etwas repariert, der eine musste etwas Reparieren, der andere etwas optimieren. Damals konnte ich das nur grob verstehen.

Es war auf jeden Fall anders als erwartet, keine arroganten oder ignorante eingebildete RC Vollprofis. Niemand der sich darüber echauffierte, dass so ein Noob wie ich im Fahrerlager herumstand.
Obwohl ich eine Anreise von knapp 2 Stunden hatte, war ich alles im allen sehr positiv beeindruckt.

Und meine Ängste?

Ich konnte auch viele der Fragen und Ängste aus der Auflistung von der Seite “meine persönlichen Ängste” beantworten bzw. überwinden. Aber es war doch bestimmt ein Unterschied zwischen “Besucher” und “Rennteilnehmer“, eine gewisse Unsicherheit und ein Zweifel blieb.

Fazit:

Mein Plan war, beim nächsten Rennen mit dem olympischen Gedanken anzureisen. „Dabei sein ist alles!“

 

BESIDE THE RACE      Rennteilnahme ist einfach…

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