let’s race for 24 hours! 
Andernach September 2020, Dunkelheit, Regen… 

Das Auto mit der gelb schwarzen Karosserie zieht mit heulendem Motor in die lang gezogene Rechtskurve, Wasser spritzt links weg, kurz die Bremse angetippt, den Scheitelpunkt eng genommen, Curb nicht berührt, langsam auf Vollgas, dann Links Kurve, nächsten Curb angepeilt und in die sehr lange 180° Links Kurve ziehen… mit Vollgas auf die Grade…

Jetzt kurz Blinzeln, die Augen brennen, noch einmal Blinzeln…. 

24 Stunden RC onroad Rennen in Andernach. Corona bedingt waren es 14 Team’s, die „Wilden 13“ traten aufgrund der Pandemie nicht an, daher bewarben sich andere Team’s um die Aussicht auf das Siegertreppchen.  Der Begriff „24 Stunden Andernach“ ist in der Racing Scene nicht unbekannt und da ich in diesem Jahr auf Grund der äußeren Umstände nur eingeschränkte Möglichkeiten beim Hessencup habe… warum nicht?

Vorweg:

Wer hier einen primär auf den Verlauf schauenden und mit Tipps und Umsetzung 1×1 versehenen Rennbericht erwartet, wird genau diesen nicht finden. Es sind verschiedene Aspekte die ich zu dem E24h RC GT Rennen in Andernach beschrieben habe. Wer nun wissen will, wie die Konstruktion ausgesehen hat, der kann dieses gern in den Kommentaren erfragen.

Die Ewigkeit ist 2 Stunden

Der Wagen rollt im Innfield um die letzte Kurve dann wird er langsamer. Der Fahrer oben am Fahrerstand lässt die Vorderreifen hin und her schnellen, ein wohl fast internationales Zeichen dafür, dass irgendwas nicht stimmt. Einige von unserem Team gehen zum Auto und heben es auf und schauen fragend zum Fahrerstand. Dann ist alles klar, irgendwas am Auto ist defekt.
Beim Gas geben stottert der Wagen, so als hätte er Fehlzündung, was aber gar nicht sein kann, da ist ja ein Elektrofahrzeug ist. Ich vermute das Hauptzahnrad und fehlende Zähne. Obwohl Dominik nicht davon überzeugt ist, schraubt er freiwillig die Abdeckung des Hauptzahnrad ab, um dann feststellen zu können, dass dieses und das Motorritzel in Ordnung sind.
Alle schauen sich kurz und fragen ins Gesicht, schauen auf die Box in der der Regler und der Empfänger aufbewahrt werden. Diese hatten wir zum Rennbeginn so sorgfältig zugeklebt. “Es bleibt uns nichts übrig, wir müssen die Box aufmachen!”
Eigentlich war es für die Ewigkeit geklebt und nun sollten wir es nach fast zwei Stunden schon demontieren? Was blieb uns anderes übrig, der Regler nahm das Gas nicht an und es ist ein Zeichen für ein Nässeschaden.
Einige schnelle Handgriffe später – gefühlte Stunden -, haben wir die Feuchtigkeit in der Box bewiesen, nun ging es ans trocknen und Schadensabgrenzung bzw. Analyse des Schadens.
Parallel beginnen wir die Ersatzregler und Ersatzempfänger klarzumachen, damit wir wenig Zeit verlieren, währenddessen andere vom Team bereits mit einem geliehenen Fön die Feuchtigkeit aus der Box beseitigen.
Ich kann es nicht mehr genau abschätzen, aber es ist eine gewisse Zeit gewesen, die wir benötigt haben, aber dann waren wir stolz, denn wir konnten das Fahrzeug erneut ins Rennen schicken.

Team Bockabi Racing

Am Freitagabend gibt es eine kurze Vorstellungsrunde, aller Fahrer die sich in dem Team wild gewürfelt zusammengefunden haben. Da ist JoJo aus dem RCMP Portal Forum, dann Domenik, Lippi, Heiko, Patrick und Tilo – und ich …-. Heiko kommt – so glaube ich – aus dem “Crawler” Bereich, JoJo aus dem Onroad Rally und ORE2WD, Lippi, Domenik, Patrick und Tilo aus dem Onroad-Bereich. “Ich fahre dann morgen das erste Mal Onroad!” – eine verwunderte Blicke treffen mich.
Klar war. Das Team war wohl eher nicht die auf Leistung zusammen getrimmte Fahrer-Elite im Glattbahner-Bereich.
Domenik hat uns auf jeden Fall am ganzen Wochenende als “erfahrener” Schrauber den Rücken freigehalten und unter Zeitdruck den Yokomo SD Sport – mit den anderen – zusammengebaut.
Das Ziel war Fun, ins Ziel kommen, nicht “Letzter” sein und durchfahren!
Das muss doch zu schaffen sein!

Der Start

Alle Teams bringen ihre kleinen Aspiranten auf die Start- und Zielgerade. Ein Team konnte bei der Aufstellung nicht direkt starten, da dieses noch Probleme mit der Feuchtigkeit in ihrem Regler hatte.
Dann geht es relativ zügig, das Rennen wird gestartet, alle schlängeln sich durch das Innfield, auf die langgezogene Linkskurve und auf die Gerade mit Vollspeed. Ich bin etwas überrascht, aber in der ersten Runde gibt es keinen Crash, sondern alles sieht sehr solide und ruhig aus.
Nachdem die ersten Teams das zweite technische Fahrerlager angefahren haben, wo an diesem Wochenende die die Akkus gewechselt werden, trifft es ein Team, das mit hastigen Schritten ihr Fahrzeug in das erste technische Fahrerlager überführen. Irgendetwas ist defekt, wahrscheinlich wegen der Nässe.
Ich schaue durch das Fahrerlager, das jetzt war erst der Anfang und das wird verdammte 23 Stunden so weitergehen!

Chaos

Vorletzter Stint in der Nacht, und dort ungefähr die Hälfte der Zeit. Auf einmal kommt Unruhe auf die Strecke, Fahrzeuge werden quasi abgeschossen bzw. durchbrechen Fahrzeuge die Banden und fahre in die entgegengesetzte Spur. Mich erwischt ist auch einmal, ich drehe auf die Innfield Kurve und werde hart von einem angeschoben, der sich dann an mir unkontrolliert vorbei drängelt.
Innerlich denke ich – Ok, dass mag vielleicht der Nacht geschuldet sein oder der Übernächtigung einiger Fahrer, aber eigentlich ist es zu aggressiv in diesen Augenblicken.
“Oh Sorry, ich habe auf das falsche Auto geschaut!”
Das kannte ich bis jetzt nur von meinen Carrera Zeiten, wenn wir einmal eine simulierte Nachtfahrt gemacht haben und keiner sein Auto so richtig erkennen konnte. Beim Slotracing ist es nur nicht so gravierend, da fährt man dann halt mal ein falsches Auto, aber hier, hier ist es doch gravierender, da man ja definitiv auch lenken muss und wirklich fährt. Es war also gar nicht die Aggressivität, die Übermüdung des Fahrers oder gar vermutete Absicht, es war einfach nur ein Missgeschick und der Fahrer hatte sich, wie zu erwarten war, entschuldigt. Hatte ich so auch noch nicht erlebt, passt aber, gerade in den nächtlichen Fahrzeiten.

Was man morgens

….nicht hören will!
Ich wache langsam auf, mein Wecker gibt mir dann die nötige Motivation mich aus dem Schlaf zu verabschieden. Ich überlege kurz, für mich ist nun fast 2/3 des 24 Stunden Rennens vorbei, jetzt geht es noch in das letzte Drittel. Dann überlege ich, was möchte man als Fahrer eines 24 Stundenrennen am Morgen nicht hören?
“Du wir haben aufgehört und schon alles eingepackt, es hat keinen Sinn mehr gemacht!”
“Schön, dass du endlich wach geworden bist, das Auto ist total kaputt wir packen jetzt!”
“Na endlich bist du wach geworden, bau das Zelt ab, hier ist alles abgesagt worden, schwarze Flagge!”

“Guten Morgen, es gibt heißen Kaffee und wir reisen gleich ab, weil alles Defekt ist und wir keinen Ersatz mehr haben!”
Genau, man möchte nicht hören, dass das Team aufgehört hat, nachdem man sich so viele Stunden durch diesen selbst auferlegten Erschwernis gekämpft und gequält hat.
Nachdem ich den Wecker deaktiviert habe, schaue ich gleich mal in unseren Chat, um die aktuelle Sachlage zu erörtern. Da steht es nun im Chat, wir fahren noch und wir haben bereits ein Team überholt die wegen technischer Defekte ausgeschieden waren. Ein zweites Team, die ebenfalls ausgeschieden sind, sind in Reichweite und das gesamte Fahrerfeld ist ca. 350 Runden vor uns. Der Wagen rollt noch, die in der Nacht kreierte Konstruktion hält noch dicht! Mein Gehör beweist, es hat aufgehört stark zu regnen!

Tiefpunkt

Dominik schaut niedergeschlagen und etwas genervt. “Plaste Dipp und dann zu kleben mit Heißluftföhn!” – Aber wir stellen fest, dass wir das schon 2x ohne wirklich spürbare Verbesserung gemacht haben. OK, versuchen wir die “Nässeanfälligsten” Komponenten zu identifizieren und machen dann auch – improvisiert – den Klassiker.
Es ist ca. 22:30 Uhr und Schalter, Empfänger werden in Fingerkuppen eines HIV-Schutzhandschuhes eingearbeitet, danach die gesamte Box in einen weiteren Handschuh. Wir stellen fest, dass die Gummihaut zwischen zwei Kanten spannt und diese würde am Lenkservo reiben. Also – auch damit das Konstrukt auf dem Chassis geklebt werden kann – wird alles mit Isolier- und Gewebeklebeband umwickelt, nicht schön aber einzigartig.
Ein Versuch ist es wert, schlechter kann es nicht mehr werden!

Verlauf

Ja, bei meinen anderen Rennberichten schreibe ich immer brav meinen Verlauf. Hier lasse ich es mal weg, da JoJo bereits einen ganz guten “Verlauf” in das RCMP Forum geschrieben hat. Da dieser sich ganz gut liest, hier eine Verlinkung darauf:
Link

Team Siemens Energie

Ich hatte bereits in meinen letzten Stint’s und als ich mit der Müdigkeit etwas kämpfen musste mitbekommen, dass einige des Teams mit Jacke und genervten Blick in Richtung Fahrerlager gingen. Im Chat hatte ich gesehen, dass ein Foto von einem Karo im Mülleimer gab, kurze Zeit später wurde bestätigt, dass das Team Siemens Energie aufgegeben hatte. Aber in der Nacht hatte ich das nicht so alles mitbekommen, bzw. hatte ich ja den Kopf mit anderen Sachen voll.

Am Morgen bot sich ein komisches Bild, der Tisch war geräumt aber die Technik stand noch da, denn Tobi Schuster macht weiterhin seine Live-Übertragung des 24 Stunden Rennens in Andernach. Cool, so konnte wenigstens die Community sehen, dass trotz Regen hier noch weiter um den ersten Platz gekämpft wurde!
Natürlich lasse ich es mir nicht nehmen, mit “Der Shoemaker” ein Selfie zu machen, schließlich ist ja sein YouTube Kanal wirklich gut bekannt!

Anders und doch ähnlich

Nach meinen ersten zwei bis drei Stint’s ziehe ich für mich ein kleines inneres Resümee. Es ist gleich, aber doch anders Offroad und Onroad! Währenddessen man beim Onroad immer und immer wieder die gleiche Perfektion an den Tag legen muss, lediglich durch aufkommenden Verkehr ab und an von der Ideallinie weggerissen wird, ist es im Offroad ein stetiger Kampf mit den Elementen und den Hindernissen. Es wird die gleiche Perfektion verlangt, aber eben anders. In der am Sonntagnachmittag am Grill geführten Unterhaltung kam ein guter Spruch dafür auf, im Offroad machen alle Fehler und wir die geringsten Fehler macht der ist meistens dann vorn dabei, Im Onroad macht fast keine Fehler und wer überhaupt Fehler macht ist nicht vorn dabei. Das ist soweit richtig, wenn man das Podium im Blick hat, für mich rein vom Gefühl des Fahrens her ist es wirklich komisch denn es ist wirklich ähnlich aber doch auch anders!

Waterproof / Water resistant

Bei der technischen Abnahme, ging ich kurz die Reihen der Fahrzeuge ab, nicht um wirklich zu prüfen ob hier jemand regelwidrige Teile verbaut hatte – das konnte Domenik besser -, mich interessierte besonders die verschiedenen Taktiken der mit Bestimmtheit auftretenden Nässe entgegenzutreten.
Wir wussten es doch alle, jeder der hier angetreten war hatte zuvor den Wetterbericht seines Vertrauens befragt und mit Erschrecken festgestellt, dass starker Regen vorhergesagt war. Somit war auch für jedes Team klar, dass man sich gegen Nässe vorbereiten musste.
Einige hatten anscheinend nur den Regler eingeklebt und ihn mit sogenannten “Anti Feuchtigkeitsspray” bearbeitet, wieder andere hatten wilde Konstruktion mit Dosen und selbst gedruckten Behältnissen angefertigt, Und einige Hatten den üblichen Klassiker angefertigt, indem sie die gesamte Technik in einen Luftballon eingearbeitet hatten.
Die Frage die sich in den nächsten Stunden des Rennens stellen würde, welche Konstruktionen hält der Nässe am längsten stand. Somit war in dieses Rennen nicht nur fahrerische Klasse gefragt, sondern sicherlich auch die Fähigkeit, sein eigentlich dafür nicht vorgesehen RC Auto “wasserdicht” zu bekommen.

Die Welt ist klein…

Sonntagmittag, einige Stunden sind es noch bis zum Ziel, wir halten uns tapfer und die Technik wirft keine weiteren Fehler mehr auf. Ich stehe im zweiten Fahrerlager, wo für alle Teams der definierte Platz war, Akkus zu tauschen. So gesehen die Pitlane. Heiko stupst mich an, grinst und sagt “Mensch den Dennis, den kennst du doch auch!”

Ja natürlich kenne ich den Dennis, denn er fährt ja auch ab und an im Hessencup mit und bei der EOS in Andernach letztes Jahr im April hatte ich ihn auch gesehen. Kurz danach rufen wir in an und es fliegen ein paar lustige Sprüche hin und her. Das zeigt es mir wieder, die RC Rennfahrer Welt ist klein und man läuft sich dort immer mindestens zweimal über den Weg!

Technischer Dienst

Es sind noch ungefähr zweieinhalb Stunden zu fahren, aber auf einmal kommt Unruhe rein. Da ich im Moment gerade nicht am Fahren war, auch nicht zum Akkutausch eingeteilt war, hatte ich erst die Unruhe bemerkt als man das Auto Richtung Fahrerlager bzw. technischen Fahrerlager brachte. “Was ist denn los?”


Man hatte einen Tipp bekommen, dass einige andere Teams ein defektes Heck Differential hatten und dieses repariert hatten. Vorsichtshalber hatten wir einen technischen Halt eingeplant. Die Kontrolle hat es dann bewiesen, das hintere Differential und hier das Plastik-Sonnenrad war defekt. Da wir so oder so eine, in der Zeit die noch übriggeblieben war, nicht mehr aufzuholende Rundendifferenz zum von uns verfolgten Team hatten, bauten wir ein neues Heckdifferential ein. Diese Reparatur sollte im Grunde genommen nur sicherstellen, dass wir definitiv mit rollenden Rädern und aus eigener Kraft über die Ziellinie fahren könnten.

Vernetzung

Ein wenig hatte man im Vorfeld gemerkt, dass die zur Verfügung stehenden Informationen nicht für ein Team das einsteigen wollte zwingend ausreichend waren. Das bewies auch der Freitagabend als noch händeringend und schnell etwas vorbereitet werden musste, damit wir überhaupt in der Vorgesehenen Zeit – am Samstagvormittag – den Zusammenbau des Modells schaffen konnten.
Das ist aber ein ganz normaler Effekt, denn der Veranstalter der diese Aktion bereits seit Jahren macht, hat kein wirkliches Gefühl mehr dafür, welche Informationen wirklich für Anfänger bzw. für Einsteiger in den Bereich wichtig sind. Natürlich stimmt ein Veranstalter diese Fragen ab und versucht die Antworten bereitzustellen. Es sind aber auch die vielen, vielen Tipps und Erfahrungen, die die an der Veranstaltung teilnehmenden Teams über Jahre gesammelt haben, die dann, wenn man sie hört, einen die Augen öffnen.
In dieser Situation kam ich am Freitag an und musste in mich hinein schmunzeln, denn es ist genau dieser Effekt den man oft erlebt.
Oft ist man davon überzeugt im Vorfeld alle möglichen Informationen abgegriffen zu haben und am besten vorbereitet zu sein, um dann als Anfänger festzustellen, dass man doch gerade erst ein ¼ des Wissens was nötig war um gut vorbereitet zu sein erfasst hat. Dieses Bild zeichnet sich sehr oft ab, denn die, die den Sport seit mehreren Jahren oder Jahrzehnten betreiben, haben keine richtige Empfindung mehr dafür was für unendlich viele Fragen auf einen einprasseln, wenn man beginnt.
Es beweist aber für mich wieder die folgende Erkenntnis, wenn man in einem bestimmten Bereich des RC Sportes einsteigen will, dann ist mein Tipp: “Vernetzung”!
Ja und zwar die Vernetzung mit dem aktiven Fahrerlager, einfach um allgemeine Tipps oder alltägliche Informationen und Grundwissen zu erfahren. Am Freitag zeigte uns das Team Siemens Energie genau das, dass nämlich im Grunde genommen alle Teams und jeder im RC Sport bereit ist, Wissen zu teilen.

Driften

Einer meiner letzten Stint’s stehen an. Das Auto hatte gerade vor ungefähr ½ Stunde die Reparatur des Hack Differentials abgeschlossen bekommen und ich hatte mich in einer halben Runde wieder an die Funke gewöhnt. Die Strecke war nun recht gut abgetrocknet, es gab nur noch sehr vereinzelte leichte feuchte Stellen.
Ich bemerkte schnell, dass durch die Reparatur des hinteren Differentials sich das Verhalten des Autos doch etwas verändert hatte. Jetzt reagierte das Heck auf Gas doch sehr schwimmend und brach auch gerne einmal aus, wenn man zu schnell am Gas war. Da musste ich mich dann die restliche Zeit meines Stint’s dran gewöhnen. Ab und an musste ich in mich hinein Grinsen, denn ich fühlte mich eher so wie ein Drifter, das sind die RC Fahrer, die ihre meisten Punkte dadurch holen, am längsten und gleichmäßig um die Kurve mit ihren RC Modellen zu driften.
Aber ich bin kein Drifter, so kam es ab und an vor, dass ich die Kurve doch sehr langsam nehmen musste, da ich das Driften nicht so gut beherrschte.

Gewöhnung

Bei jedem neu zu starten Stint von mir, war das gleiche Bild zu sehen, ich fuhr wie ein blutiger Anfänger. Das lag einfach an der Tatsache, dass ich mich an die auf Lippi eingestellte Funke gewöhnen musste. Jeder Fahrer stellt natürlich die Funke so ein, wie es für ihn am besten ist, und ich musste mich wirklich daran gewöhnen, dass diese Funke ein sehr kleines Lenkspiel hatte, also nicht so wie bei meinen Offroad Fahrzeugen. Daher sah die erste Runde und die ersten Meter immer ganz schlimm bei mir aus, nachts natürlich noch schlimmer da die Müdigkeit ihren Tribut verlangte.

Schrauberzeit statt Rennfahrergelüste

Ich lasse meinen Blick schweifen, auf der einen Seite steht das kleine Fahrzeug zwei Köpfe beugen sich darüber und fuchteln wild mit Werkzeug herum. Auf meiner Seite des Tisches ist die Akkuladestation, wo sich langsam die fertig geladenen Akkus stauen, da diese nicht vom Rennzyklus abgefordert werden.
Da kommt mir wieder der Gedanke in den Kopf, wie sehr doch dieses RC Rennfahren Modellbau auf Schnelligkeit ist, als ein eigentliches Rennen fahren. Natürlich haben die Teams, die Glück mit ihrer Hardware haben, einige Stunden mehr und auch einige Kurven mehr zu fahren als wir, aber es gehört dazu. RC Rennen das geht eben nicht ohne Schrauben und manchmal ist man eher der Schrauber als der Rennfahrer.

Rückfahrt

Ich stürzte den kleinen Becher mit schwarzem Kaffee, verabschiede mich freundlich von allen und setze mich dann in meinen KFZ und rollte Richtung Heimat. Bei dem kurzen Stopp an der Tankstelle fühlte ich noch mal meinen Tank und mache mich dann mit klarem Ziel und meinem Routenplaner Richtung Heimat.
Da Andernach von meinem eigentlichen Wohnort gar nicht mal so weit entfernt ist, sind es zum Glück nur 45 Minuten, wobei die letzten Minuten dann auch die schwierigsten waren, da auch hier die Müdigkeit deutlich zu spüren war.

Der letzte Stent

Ich glaube es war so 4:10 Uhr, oder etwas später. Ich übernehme das Fahrzeug versuche mich zu konzentrieren, nach der kurzen Eingewöhnungsphase zieh ich meine Runden, während die Strecke im Regen absäuft. Etwas schwierig ist, dass die Außenbereiche der Strecke relativ beleuchtet sind, während das Innfield direkt vor dem Fahrerstand sich etwas ins Dunkel hüllt. Aber nun kommen zwei bis drei Effekte aufeinander, die Müdigkeit, die Schwierigkeit sich weiter zu konzentrieren und ein deutlich spürbares Brennen in den Augen. Ich versuche ab und an mich zu zwingen, auf der Geraden ruhig zu fahren, damit ich dann zwei oder drei Mal blinzeln kann.
Ab und an nützt dieses Blinzeln aber nicht, und so sehe ich dann doch etwas Verwischt die Strecke und kann nur anhand der Frontbeleuchtung meines Fahrzeugs sehen, wie weit ich schon um den Körper rum bin den ich Links neben dem Fahrzeug vermute. So richtig gestochen klar scharf sehen, das geht jetzt nicht mehr.
Ich weiß nicht ob es den anderen Fahrern auch so geht, auf jeden Fall merke ich deutlich, dass das jetzt auf die letzten Runden sind die ich vor meinem Schlafen fahren werde!
Irgendwann berührt mich etwas an der Schulter und ich höre die Stimme “Fahrerwechsel, Akkuwechsel!”
Lippi steht hinter mir und übernimmt seine Funke, er wird den nächsten Stint fahren. Unten fragt mich JoJo, ob ich wirklich das Fahrzeug die ganze Zeit gesehen hätte? Ja gesehen habe ich das Fahrzeug schon nur eben nicht gestochen scharf…
Jetzt heißt es ein Bier, runterkommen und ab in den Schlafsack einige Stunden Schlaf tanken.

Abschluss

Schnell kommt noch JoJo um die Ecke, mit einem kurzen Blick Richtung Himmel sagt er “Lasst uns noch schnell das Pavillon abbauen, dann ist es trocken!”.
Da ich zuvor auf meinem Faltzelt, mit den gleichen Argumenten schnell verpackt hatte, half ich natürlich tatkräftig mit.
Im Anschluss hatten wir die Erlaubnis von Uwe Rheinard im Fahrerlager einen kleinen Grill in Betrieb genommen. Es gesellte sich Uwe Rheinhard und sein Zeitnehmer Hartmut Wenzel dazu und es entstanden noch lustige Gespräche. Man könnte es auch als das übliche Fahrerlager Seemannsgarn beschreiben, aber die alle Gesprächspartner und Themen an dem Nachmittag war so interessant, dass ich überaus spontan mein Entschluss schon gegen 16 Uhr loszufahren einfach überworfen hatte. Wissbegierig folgte ein Gespräch und einem Thema dem anderen. Vielen Dank an das Team Bockabi Racing und natürlich auch an Uwe und Hartmut für diesen netten und interessanten Abschluss.

Vorher- / Nachher Vergleich

Vorher
Nachher

Fazit

Da ich wirklich einmalig und erstmals die Gelegenheit hatte, an dem 24 Stunden Rennen Andernach teilzunehmen, habe ich die Gelegenheit einfach am Schopf gepackt.
Klar sollte sein, wer hier mit Siegesambitionen antreten will, muss sich sehr gut, sehr, sehr gut vorbereiten. Er muss nicht nur den Kampf gegen die Elemente bestehen die in Andernach anscheinend stetig auftreten, er muss auch fehlerfrei fahren können und das Team muss reibungslos organisiert sein.
Wer aber einfach mal mitfahren will, und an solche einem außergewöhnlichen Event teilnehmen will, der sollte es versuchen! Denn eines hat unsere Rennteilnahme gezeigt, Rennteilnahme auch als “Rennen Unerfahrenes Team” ist möglich und manchmal einfacher als man denkt.
Mir hat dieses Renne-Event wieder deutlich vor Augen geführt, Vernetzung und Kommunikation mit bereits Sport betreibenden bringt einem eine Unmenge an ungesagten und ungeschriebenen Tipps / Erfahrungen / Erkenntnisse ein.
Für mich war es einmal eine ganz gute Situation in den Bereich onroad Renn Community hineinzuschnuppern, und die geführten Gespräche, die erlebten Situation haben mir auch wieder gezeigt, dass im RC Sport Fairness überwiegt. Alle haben doch das gleiche Ziel, irgendwie einen fairen sportlichen Wettkampf zu erleben, selbst wenn die Elemente sich gegen einen verschworen haben!

Danke

Da das Event bei der Arena33 stattgefunden hat, und die Arena33 nicht ein klassischer RC Verein ist, möchte ich aber trotzdem nicht auf meinen gewohntes “Danke” verzichten.
Die Durchführung des Rennens war gut organisiert, Fragen und offene Punkte konnten schnell geklärt bzw. beantwortet werden. Die Unterstützung von Uwe Rheinhard bei Problemen oder Ungereimtheiten war immer gewährleistet und das Fahrerfeld hatte sich gegenseitig außerordentlich und ohne großes Zögern unterstützt. Verpflegung war die ganzen 24 Stunden möglich, und die Kaffeemaschine im Verpflegung-Bereich hatte nicht eine Minute einen Ausfall.
Einzigartiges – sicherlich – die Dusche auf dem Fahrerstand, die vielleicht etwas Überwindung kostet, weil man ja nicht zum Duschen auf den Fahrerstand geht, aber doch dann recht angenehm war.
Vielen Dank hier auch noch mal an die vielen Helfer im Hintergrund, und dann Uwe Rheinhard der dieses Event schon seit Jahren organisiert.

Links

E24h Andernach
Arena33
Arena33 auf RC-Strecken.de
MikaNews Artikel 1
MikaNews Artikel 2

Videos

Facebook Twitch Beitrag von Tobi Schuster
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Weitere Links

JoJo’s RCMP Forum Thread
Rennbericht RoHo Team Mannheim

Platzierung

E24h Andernach GT
Platz 1 — Team LMI-Racing.com
Platz 2 — Team Nitro Circus
Platz 3 — Team Wambo Racing

Interesse?

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👉 „Rennteilnahme ist einfach!“

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2 Kommentare

  1. Moin Falki,

    Super geschrieben 👍
    Nur nen Crawler hab ich noch nie bewegt, bin auch eher der Onroad/Teppich Fahrer.
    Kann dir nur beipflichten, Rennteilnahme ist einfach, traut euch, weil da wird euch geholfen!

    Tolle Veranstaltung 👍
    Gruß, Patrick

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