Sun shines
Racing day
Back to the roots
Die Sekunden der Wertungszeit ticken unerbittlich runter, ich ziehe den Gashebel am Sender voll durch – aber mein Buggy schleppt sich gefühlt im Stehen über die Start- und Zielgerade. In meinem Kopf hämmert es sofort: Ja, genau das hatte Zan gemeint! Doch für Ausreden oder Boxenstopps ist es jetzt zu spät, wir sind mitten im Qualifikationslauf. Es tut in der Seele weh, wenn du aus der brutalen Soundkulisse der verschiedenen Motoren auf dem Fahrerstand deinen eigenen O.S. Speed heraushörst und genau weißt: Die Karre läuft viel zu fett, da geht gar nichts.
Am Streckenrand folgt der Moment der Wahrheit:
Nur eine winzige 1/16-Drehung an der Gemischschraube – und der Motor ist wie verwandelt. Du stehst da, bist einfach nur verblüfft und kannst es kaum glauben, wie ein paar Mikrometer den Unterschied zwischen einer Wanderdüne und einer absoluten Rakete ausmachen. Mein Setup passte plötzlich perfekt, der Motor schrie seine Leistung heraus und der Fahrvorteil war greifbar. Doch dieser technische Nervenkrimi sollte an diesem Wochenende beim HessenCup 2025 beim MSC Ober-Mörlen noch die absolut kleinste Überraschung bleiben…
Einleitung
Inhalt
1. Start | 12. Die Schlange |
Quer durch die Wallachei: Wenn das Navi „Nein“ zur A3 sagt
Mit zugigen Gaspedal vom Aldi-Parkplatz runter – gedanklich bin ich eigentlich schon auf der Autobahn. Im Normalfall lotst mich mein Routenplaner stur auf die A3 Richtung Süden, dorthin, wo der Motor meines Golf IV im fünften Gang einfach Meter machen kann. Doch ein Blick auf das Display lässt mich stutzen. Keine A3. Das Ding will mich mitten in die Pampa schicken. Richtung Buchholz im Westerwald.
Ich schüttle den Kopf, fahre rechts ran und zoome auf der Karte raus. Was zur Hölle…? Buchholz, Altenkirchen, Diebholz. Quer durch die absolute Wallachei des Westerwaldes. Ich scrolle ein Stück weiter rüber und da springt es mir auch schon entgegen: Die A3 ist im dicken, fetten, unbarmherzigen Tiefrot eingefärbt. Vollsperrung oder die absolute Stau-Hölle. Das Wochenend-Drama beginnt also schon vor dem eigentlichen Rennen.
Zähneknirschen. Blinker links. Ab in den Westerwald. Es folgt ein kilometerlanger Slalom durch verlassene Dörfer. Die Kulisse pendelt im Minutentakt zwischen deprimierender Tristesse aus grauem Putz und der plötzlichen Panik vor den grauen Kästen am Straßenrand – die Blitzer lauern hier gefühlt hinter jeder Hecke. Der Fuß tanzt auf der Kupplung. Zweiter Gang, dritter Gang, runter in den ersten, wieder hochschalten.
Gefühlte 200 Schaltvorgänge und Stunden später schmerzen die Knochen. Doch dann der erlösende Blick auf das Ortsschild: Ober-Mörlen. Ich rolle durch die engen Gassen des Dorfs. Der Puls geht schlagartig hoch, die Müdigkeit ist wie weggeblasen. Jetzt sind es nur noch wenige Meter, bis das Dröhnen der Nitromotoren die Stille zerreißt und ich endlich im Fahrerlager einrollen kann. Let’s race!
Streckenverlauf
MSC Ober-Mörlen e.V. hat eine sehr gute und ausgewogene Strecke. In diesem Jahr 2024 konnte man bereits in den Bildern des Frühjahrs Aufbaus der Strecke erkennen, da stehen erneut Änderungen an. Die Strecke ist für den neuen Fahrer zu beherrschen und hat trotzdem die Fähigkeit, bei den Spitzenfahrern aufgrund einiger Hindernisse eben „Unterschiede“ zu setzen. Grundsätzlich ist der Belag Lehm, in vereinzelten Teilabschnitten wird auf anderen Untergrund ausgewichen, aber überwiegend ist es Lehm.
Beginnen wir mit der Start- / Ziel Geraden, diese ist extrem lang. An Ihrem Ende haben wir eine 80° Linkskurve, die breit gehalten ist. Ca. 2 ½ – 3 m nach der Kurve kommt eine doppelte Bodenwelle, die die „Abfahrt“ oder „Down Gerade“ einleitet. Beim ersten Doppel ist die Absprungwelle und 2te Welle ca. 2 m auseinander liegend. Es folgen zwei weitere Doppel auf der Abfahrt“, wobei diese jeweils ca. 6 – 10 m auseinanderliegen und der jeweilige Doppel Welle dichter zusammenrücken. Es folgt eine breite 110° Linkskurve die am Ende in die Zeitschleife übergeht.
Hier ist dann auch die Boxeneinfahrt rechtsweisend und eine leicht geschwungene kurze Gerade, die in eine kaum spürbare / lang gezogene Linkskurve übergeht, wobei die se Linkskurve auf Ihrer linken Seite erhöht ist. Das Ende wird mit einem „Auffahrts“-Bodenwelle eingeleitet und der rechts angelehnten Boxenausfahrt die mit Rot / Weiß Curbs abgegrenzt ist. Ca. 3 m Gerade und eine 180° Kehre über Links, die schmal ist und ab der Hälfte gepflastert. Das Ende der Kehre wird durch eine leichte Welle eingeleitet.
Es folgt eine kurze Gerade (2-3 m) die in eine lang gezogene Rechtskurve übergeht, die eine Abfahrtswelle im Scheitelpunkt hat. Dann eine Gerade die eine Doppel-Sprung-Kombination aufweist und in eine 110° Rechtskurve endet.
Nach dieser Rechtskurve wird eine „Auffahrt“, parallel zur „Down Gerade“ gefahren. Sie ist etwas kürzer als die „Down Gerade“ und endet in einer 15° Rechtskurve die direkt eine kleine 2er Sprungkombination einleitet, auf der Homepage „Doppelsprung“ genannt. Nach diesem „Zweier“ erfolgt eine kurze S- Schikane, die dann eine ca. 210° Rechtskurve einleitet.
Nach dieser erfolgt das Herzstück der Strecke, der „Tabel mit Sprungkombination“, die am Ende eine 90° Linkskurve integriert hat. Man kann den Tabel komplett fahren, aber je nach „fahrerischem Können“ wird dieser in Teilen gesprungen. Der komplette Sprung in die Abfahrt vom Tabel war 2023 untersagt.
Nach der Abfahrt vom Tabel kommt direkt eine 90° Linkskurve, erneut eine kurze Gerade. Es folgt eine 50° Linkskurve und die Einfahrt ins Waschbrett, das zweite Herzstück der Strecke. Die 4 Wellen in unterschiedlicher Höhe verleiten zum Springen, aber nur wenige haben hier den richtigen Rhythmus im Finger. Denn direkt nach dem Waschbrett erfolgt eine 80° Rechtskurve die betoniert und eng gehalten ist, zusätzlich ist das Waschbrett auf beiden Zeiten mit Banden versehen, was ein „Schneiden“ der anschließenden Kurve unmöglich macht.
Nach der 80° Rechtskurve erfolgt eine kurze Gerade und eine 90° Rechtskurve, dann eine in einer sehr kurzen Geraden eine Boden-„Kuhle“ hat. Diese geht in eine 180° Linkskehre über, die nach Außen deutlich schräg abfallend ist. Im Anschluss erfolgt eine sehr kurze Gerade aus dieser hervorgehend kommt die Auffahrt zum Ecktabel in den 2 unterschiedlich starke Wellen integriert sind, dann ein eng gehaltener Ecktabel und eine Abfahrt auf die lange Start- / Ziel Gerade.
Die Bilder zeigen die Strecke von rechts nach links schwenkend im Zustand von 2024 (…hatte sich 2025 nicht verändert…).




„Es gibt kein Bier auf Hawaii…“
– und in Ober-Mörlen keinen Strom! Wir kennen alle diesen alten Gassenhauer. Warum mir der Song das ganze Rennwochenende wie eine kaputte Schallplatte durch die Birne schoss? Weil die Realität im Fahrerlager manchmal genauso trocken ist wie die hawaiianische Wüste. Erinnern wir uns kurz zurück: Nur ein Jahr zuvor hatten dreiste Langfinger dem Verein den kompletten Kompressor geklaut. Die Vorzeichen standen also ohnehin schon auf „erhöhter Puls“. Aber dieses Jahr? Dieses Jahr war es einfach nur skurril.
Du kommst an die Strecke, schleppst dein ganzes Equipment zum Schrauberplatz, blickst auf die Verteilerdosen rund um die Piste und denkst dir: Alles top, die Dinger stehen ja da. Kabel rein, Netzteil an – und nichts passiert. Totenstille. Kein Mucken, kein Summen, kein einziger Volt Saft auf der Leitung. Mehrfache Versuche, das System irgendwie wiederzubeleben? Komplett erfolglos. In der offiziellen Ausschreibung stand das aber noch ganz anders, und wer im Vorfeld bei den Vereinskollegen nachgefragt hatte, bekam grünes Licht. Die bittere Wahrheit sickerte erst langsam durch die Boxengasse: Der Verein kämpfte hinter den Kulissen mit kurzfristig aufgetretenen, absolut massiven technischen Problemen an der vergrabenen Stromleitung.
Die Gerüchteküche brodelte bereits, als schließlich die offizielle Ansage wie ein Schlag in die Magengrube einschlug: Der Strom bleibt aus. Punkt. Aus der Traum vom bequemen Laden am eigenen Tisch. Die Rettung in der Not? Ein knallharter Kompromiss. Der Verein riss sich den Allerwertesten auf und zimmerte im Cateringbereich eine improvisierte Sammel-Ladestelle für die Buggy-Akkus zusammen. Ein Segen für all die Elektro-Fahrer, die eben keine fette Autobatterie, eine autarke Powerstation oder ein eigenes, knatterndes Stromaggregat im Kofferraum herbeigeschleppt hatten.
Am Ende des Tages zeigt uns das wieder einmal eins ganz deutlich: Das hier ist echter Modellsport. Da läuft nichts nach Skript. Es kann immer passieren, dass erwartete Serviceleistungen durch unvorhersehbare, unplanbare Zwischenfälle im
Eigener Verlauf
Training
Erstes Training – Suche nach dem Grip
Der erste Run des Tages, und ich merke sofort: die Zeitnahme streikt, aber die Strecke lügt nicht. Das Setup passt grob, doch hinten ist es zu weich – in den Kurven bricht mir das Heck zu früh aus, ich muss früher gegenlenken, als mir lieb ist. Im Lehmbereich staubt es früh, der Umbau des Infields macht sich sofort bemerkbar – neue Linien, neue Bremspunkte, ich taste mich durch, wo ich sonst blind hätte fahren können. Die Sprungkombination im Infield will ich in einem durchspringen, schaffe es aber nicht, lande zu kurz und muss nachkorrigieren. Bei der Vorbeifahrt an der Boxengasse verschätze ich mich einmal und touchiere die Bande – kein Schaden, aber ein Warnschuss. Zwischendurch fahre ich die Box an, um die Motortemperatur zu checken – sie ist nicht zu heiß, bewegt sich aber an der oberen Grenze, ein Wert, den ich im Auge behalten muss. Fünf Runden stehen am Ende zu Buche.
Zweites Training – der Fels, der bröckelt
Runde 1, Ober-Mörlen, der Boden noch feucht. Der Motor liegt diesmal sauber in der Temperatur, und auf der Hinterachse spüre ich ein kleines bisschen mehr Grip als noch im ersten Run – genug, um mich zu trauen. Ich schieße direkt auf P3 – noch bevor die Reifen richtig warm sind. Vor mir nur münch und Rubner. Schon in Runde 2 rutsche ich auf P4 zurück, dort richte ich mich häuslich ein, wie ein Buggy im Sand kurz vorm Ausbrechen. Die Ideallinie ist inzwischen etwas freigefahren, das Feld vor mir hat den Lehm geglättet, doch der Vorteil bringt mir nicht die Konstanz, die ich brauche: Während die Positionsanzeige Ruhe vorgaukelt – P4, P4, P4, P4, P4 –, erzählen meine Rundenzeiten ein anderes Drama: 1:10.200 zum Start, dann 46.885, mein Bestwert 45.896 in Runde 4 – und als ich gerade in Fahrt komme, geht mir in Runde 6 bei der Zufahrt zum Waschbrett im Infield der Motor aus. Standgas vermutlich zu niedrig, Gemisch zu fett – bei der Hitze und den bereits mörderisch staubigen Bedingungen auf der Strecke keine Seltenheit an diesem Tag. Mein Helfer trägt den Buggy zurück in die Box, doch die letzten 30 Sekunden brechen ohnehin schon an, also bleibt es beim Temperaturcheck und einem prüfenden Blick in den Tank – das Training ist gelaufen. Am Ende stehen sechs gefahrene Runden, ein Rundendurchschnitt von 64.992 Sekunden, eine Gesamtzeit von 6:29.950 und Platz vier zu Buche.
Drittes Training – der Lehm hat gewonnen
Zehn Fahrer sind angetreten, die Sonne brennt inzwischen richtig auf die Strecke, und ich habe am Standgas nachjustiert – etwas höher, sonst am Motor kaum etwas verändert. Die Bedingungen sind mittlerweile mörderisch: Abseits der Ideallinie hat sich der Lehm in feinen, tückischen Staub verwandelt. Wer auch nur eine Idee zu weit von der Linie abkommt, verliert schlagartig den Grip – dagegen gibt es kein Gegenlenken, gar nichts. Man ist einfach raus.
Genau das bekomme ich in Runde 5 zu spüren, wenn auch anders als gedacht. Bis dahin halte ich mich stabil zwischen P4 und P5, Rundenzeiten zwischen 46 und 51 Sekunden. Dann, bei der Einfahrt in die 180°-Linkskehre, die nach außen deutlich schräg abfällt, geht mir der Motor aus. Verflucht. Ausgerechnet hier liegt kein Lehm, sondern Teppich – Pech pur. Mein Helfer holt mich von der Strecke in die Box, wo wir den Motor neu starten. Andreas Pütz dreht das Standgas noch einmal höher – einen weiteren Aussteller kann ich mir in diesem Training nicht mehr leisten. Die Runde steht mit 3:04.139 in der Liste, ein Wert, der alles andere erschlägt. Danach ist Schluss – fünf Runden, mehr gibt der Tag nicht her.
Auch die Downgrade-Sprungkombination habe ich immer noch nicht sicher drauf. Die Zahlen sprechen für sich: Mit 76.057 Sekunden habe ich die schlechteste Pace im Feld, mit einer Streuung von 54.079 auch die unruhigste Konstanz – beides Folge dieser einen Runde. Der Motor hat heute den Kürzeren gezogen, nicht die Strecke.
Qualifikation
Erster Vorlauf – der Punch, der fehlt
Zwischen Training 3 und dem ersten Vorlauf hole ich mir noch einmal Hilfe bei Zan Buljan. Der Motor läuft bei dem warmen Wetter und dem zu niedriges Standgas zu fett, und Zan ist ein alter Motoren-Fuchs – ich freue mich, dass er sich die Zeit für mich nimmt. Wir stellen ihn auf dem Aufwärmtisch neu ein, der Motor läuft jetzt wieder verlässlich. Ob die Einstellung aber auch auf der Strecke passt, muss sich erst zeigen – der Tisch lügt manchmal.
Die Aufwärmrunden starten, und der Motor fühlt sich an, als wäre er noch zu kalt. Doch spätestens nach der Aufwärmphase wird klar: Kalt ist er nicht, es fehlt schlicht der Punch. Er läuft allgemein zu fett – genau das, was wir beim Einstellen am Tisch nicht prüfen konnten. Den Vorlauf deswegen wegzuwerfen, ergibt aber keinen Sinn. Ich fahre durch, der Motor bleibt zumindest an.
Und das Rennen selbst gibt genau dieses Bild wieder: Ich starte auf P4, rutsche bis Runde 3 auf P6 zurück – dort, wo der fehlende Punch beim Rausbeschleunigen aus den Kurven am meisten wehtut. In den Runden 4 und 5 kämpfe ich mich noch einmal auf P5 zurück, doch in Runde 6 falle ich endgültig auf P6, und dort bleibt es. Am Ende stehen 6 gefahrene Runden, eine Gesamtzeit von 5:34.974, eine Mediumzeit von 55.829 Sekunden pro Runde und Platz 6 zu Buche.
Zweiter Vorlauf – endlich der Punch, den ich brauche
Nachdem mir im ersten Vorlauf der Punch fehlte, drehe ich an der High-Speed-Nadel – eine Vierundsechzigstel magerer, und mein O.S. Speed läuft wieder wie das gewohnte Schweizer Uhrwerk. Genau diesen Punch spüre ich sofort: Ich starte auf P4, falle nach Runde 1 kurz auf P5 zurück, doch schon in Runde 2 bin ich wieder da, wo ich hingehöre – und diesmal bleibe ich stabil auf P4, ohne noch einmal wegzurutschen. Die konstanteste Fahrt, die ich an diesem Wochenende bisher hinlege.
Bis Runde 7 läuft alles nach Plan. Dann, direkt nach der Doppelsprung-Kombination im vorderen Infield, gerate ich in einen Kopf-anKopf-Fight – und genau da wird’s brenzlig. Hinten links am Reifen werde ich touchiert, mein Buggy dreht sich quer, und ich bleibe in der Bande hängen. Die Runde steht mit 1:00.637 in der Liste, mehr als doppelt so lang wie meine sonstigen Zeiten an diesem Tag. Danach ist Schluss – nicht weil ich aufgebe, sondern weil die fünf Minuten Wertungszeit des Qualifikationslaufs genau in diesem Moment abgelaufen sind. Am Ende stehen 7 gefahrene Runden, ein Mediumzeit von 49.450 Sekunden, eine Gesamtzeit von 5:46.152 und Platz 4 zu Buche.
Dritter Vorlauf – wenn der Himmel das letzte Wort hat
Schon in der Nacht höre ich den Regen ans Zeltdach prasseln – ein Geräusch, das jedem Fahrer sofort ein ungutes Gefühl gibt. Am Morgen wird gewartet, der erste Vorlauf verschoben, in der Hoffnung, dass sich die Wolken noch verziehen. Es klart tatsächlich kurz auf, doch kaum atmet man auf, zieht schon der nächste Schauer über die Strecke. Irgendwann ist die Entscheidung unausweichlich: Nachdem bereits der dritte Qualifikationslauf komplett ausfällt, wird klar, dass auch die Finalläufe nicht mehr stattfinden können. Rennabbruch wegen Regens – und die Wertung aus den Qualifikationsläufen 1 und 2 wird kurzerhand als Finalwertung übernommen.
Was jetzt zählt, ist nicht dieser verregnete Tag, sondern das, was ich mir in den beiden vorherigen Läufen bereits erarbeitet habe. Mein bester gewerteter Lauf bleibt der zweite Qualifikationslauf, mit dem frisch eingestellten Motor und endlich dem Punch, den ich vorher vermisst habe. Am Ende steht in der Gesamtwertung Rang 31 mit 94 Punkten zu Buche – ein Ergebnis, das ich mir bei trockener Strecke selbst erkämpft habe, nicht eines, das mir der Regen einfach so überlassen hat.
Fazit
Manchmal stehst du am Fahrerstand, blickst auf die Strecke und weißt absolut nicht, wie du dieses Gefühlschaos in Worte fassen sollst. Es begann mit diesem faszinierenden Aha-Erlebnis im Infield: Der MSC Ober-Mörlen hat da beim HessenCup 2025 ein paar clevere Anpassungen an der Strecke vorgenommen, die einfach interessant zu fahren waren und dich sofort fesseln. Du spürst das Adrenalin, das Setup passt, der Puls steigt – und plötzlich kriecht diese eiskalte Angst in dir hoch. Dieser verdammte, alte Geist von 2024 war wieder da, dieses dunkle Trauma von reihenweise wegen Dauerregen abgesoffenen Rennen, als der Wettergott uns mal wieder nicht freundlich gesonnen war und das Event an den Rand des Abbruchs trieb. Doch mitten in dieser düsteren Gewitterstimmung, als auch noch die Elektrik des Vereins streikte und die Pressluft ausfiel – geschenkt, das ist eben Vereinsleben, das kann jedem passieren und man sieht es gelassen –, zündete der absolute Hoffnungsschimmer: Dank der genialen Schrauber-Hilfe von Zan Bulian schrie mein Nitromotor plötzlich wieder wie eine Eins, das Setup biss sich förmlich in den Boden und im zweiten Qualilauf konnte ich die Kiste endlich so richtig gut platzieren! Die Sensation lag in der Luft, der gewonnene Fahrvorteil war greifbar, das Finale sollte der ganz große Beweis werden… und dann verpufft alles, weil du genau diese Performance im alles entscheidenden Finallauf durch den Wetter-Abbruch nicht mehr auf die Strecke brennen darfst. Was für eine emotionale Achterbahnfahrt – völlig durchwachsen, verdammt bitter und trotzdem brenne ich schon wieder aufs nächste Mal!
Back to the Roots
Wo alles begann und die Knie weich wurden – Manchmal triffst du im Fahrerlager eine Entscheidung, die dich wie ein Katapult durch die Zeit schießt. Genau das passierte mir hier. Es fühlte sich an, als wäre es erst gestern gewesen, dabei liegen in Wahrheit Jahre, unzählige verheizte Reifensätze und literweise verbrannter Sprit dazwischen. Genau auf diesem Fleck Erde stand ich damals: als blutiger, völlig unerfahrener Anfänger bei meinem allerersten echten RC-Rennen [Rennbericht].
Gott, was war ich nervös. Und natürlich habe ich damals das volle Programm der klassischen Einsteiger-Fehler mitgenommen. Der Nitromotor bockte im Minutentakt, die Vergasernadel stand gefühlt überall, nur nicht da, wo sie sollte. Auf dem Fahrerstand klebte ich mit den Augen an meinem Buggy und ich lehnte mich mit dem Oberkörper nach vorne und nahm unbewusst den anderen die Sicht. Die nackte Angst saß mir im Nacken – die panische Sorge, dass jeder an der Strecke meine „auffällig fehlende Erfahrung“ erkennt und mich sofort als den ahnungslosen Erststarter abstempelt.
Doch dann kam dieser eine Moment, der alles veränderte. Ich stand an der Bande und beobachtete den Jugendlauf. Als ich diese glänzenden Kinderaugen sah, diesen puren, unverfälschten Ehrgeiz ohne den ganzen verbissenen Erwachsenen-Kram, begriff ich es plötzlich. Es war, als hätte ich die „Insel der Glückseligkeit“ gefunden. Und am Sonntagabend, als der Staub sich legte, sackte die wichtigste Erkenntnis des Wochenendes ab: Eine Rennteilnahme ist am Ende viel, viel einfacher, als man es sich in seinen eigenen Albträumen ausmalt.
Die ganzen typischen Stammtisch-Sprüche aus den unzähligen RC-Modellbau-Foren, RC-Modellbau Grüppchen und Facebook-Gruppen? Von wegen, die Rennfahrer seien alle hochnäsig, arrogant und eingebildet; denn mit Grauen beschriebenen Materialschlachten? Alles erstunken und erlogen. Was ich stattdessen fand, war eine einzigartige, bedingungslose Hilfsbereitschaft. Wenn deine Karre verreckt, steht sofort ein Konkurrent mit dem passenden Werkzeug in deiner Box. Ja, das alles fühlte sich gerade an wie gestern… aber der Blick auf meinen heutigen, sichtlich gezeichneten Buggy holt mich sofort zurück in die Realität.
Die Schlange
Die Serpent Cobra SRX8 ist das Rennpferd des Herstellers Serpent im Maßstab 1:8 Offroad. Er löste die Serpent Cobra 811 im Mai 2016 ab und in den 2 Jahren danach wurde die Version 1 „GP“, um die Version „Evo“ und um die Version „Pro“ erweitert. Einige der Innovationen der Version Evo und Pro sind untereinander kompatibel, wieder andere nicht. Hier ein Forenbeitrag in dem ich versucht hatte die Unterschiede zwischen den Versionen zusammen zu fassen. (Link) Hier der Baubericht der Serpent Cobra SRX8, Link.
Die Cobra SRX8 kann mit ihrer Technik weiterhin sehr gut mithalten, reagiert feinfühlig auf Setup Anpassungen und ist so robust, dass er nicht gleich jede Bandenberührung und Positionskampf mit einem Defekt quittiert.
Im Ober-Mörlen konnte ich im Grunde das Setup aus dem Linsenkessel übernehmen und benötigte lediglich leichte Anpassungen am Grund-Setup. Die SRX8 kam sehr gut mit den verschiedenen Streckenabschnitten zurecht und ließ sich verlässlich fahren.

Hier der Link zum Thread zum Serpent OR8 Buggy Cobra SRX8 (Link), hier der Link zur SRX8 Promo Homepage und vielen Dank an 2Speed.de für die schnelle Lieferung der Ersatzteile.
Bei Fragen zu dem Buggy könnt Ihr mich aber auch gern persönlich ansprechen.
Die Musi macht’s
Rennen ist Leben, klar. Aber manchmal ist das Leben eben auch das, was nach dem letzten Motorabstellen im Fahrerlager passiert.
Am Abend stand die obligatorische Visite in der Pavillon-Burg vom RCR Peterberg e.V. an. Ich hatte mich strategisch mit meinem alten Pavillon-Partner Bernd Spielberger zusammengetan, während die Peterberg-Crew mal eben die komplette linke Seite des Fahrerlagers annektiert hatte. Machtanspruch klargestellt, sozusagen. Was folgte, war die klassische Stippvisite und ein gemütliches Beisammensein.

Ganz ehrlich unter uns Modellbauern: Wir sind schon ein verdammt komisches Völkchen. Jeder pflegt seine eigenen Marotten, schraubt bis zur Besinnungslosigkeit an Millimetern herum und nimmt die Sache bierernst. Aber den gemütlichen Teil danach? Den möchte ich um keinen Preis missen.
Man muss es ja nicht exzessiv betreiben, bis der Arzt kommt. Aber dieses endlose Seemannsgarn im Fahrerlager, das ungezwungene Quatschen, das gegenseitige Vergleichen von Setup-Tipps und das eine oder andere Kaltgetränk – genau das schweißt diese Community zusammen. Das ist der Treibstoff abseits der Rennstrecke.
Und an diesem Abend wurde die Schlagermusik im Lager irgendwie von der Leine gelassen. Da gab es kein Entkommen mehr. Nach guter alter Sitte durfte bei der friesischen Rock-Hymne „Aloha Heja He“ von Achim Reichel aus dem Jahr 1991 das kollektive „Rudern“ auf dem staubigen Boden nicht fehlen. Dreckige Hände, glänzende Stirnen und ein Haufen erwachsener Menschen, die im Takt trockenrudern. Verrückt? Absolut. Aber genau so muss das.
Interesse
Die Leser die ein wenig mit gelesen haben und Interesse nach mehr verspürt haben und sich fragen:
„Könnte ich da nicht auch teilnehmen?“

Ja DU kannst!
👍😃👍
RC Rennen, dass kannst Du ganz einfach auch!
Eine Rennteilnahme ist so einfach, alles was Dich ggf. an der Teilnahme hindert sind Vorurteile, falsche Ängste und das bisschen fehlender Mut einmal etwas Neues zu probieren! Es ist viel leichter als man selber denkt, einmal Blut geleckt und man ist dem Rennzirkus verfallen.
Wer auch nur den Hauch eines Interesses verspürt, sollte einmal diesen Blogeintrag lesen, denn die eigene Teilnahme ist viel leichter als gedacht….
Schau Dir dazu diesen Blog an:
👉 „Rennteilnahme ist einfach!“ 👈
Verein
Der MSC Ober-Mörlen e.V. hat einen ganz eigenen Charakter als die anderen Vereine, im positiven Sinne. Auch hier haben wir wieder ausschließlich die Offroad Strecke und auch wieder eine etwas anderes Vereinsleben. Es gibt passive und aktive Mitglieder aber allgemein doch ein starkes Gruppengefühl. Natürlich sucht der „Verpflegungsbereich“ mit Beamerleinwand, Kicker und den zwei „Containern“ schon seines gleichen…
Das Essen bei der Mittagsverpflegung war wieder einmal eine erstklassige Idee!
Stromagregat, Kompressor rattern im Hintergrund und alles im allem kann man sich auch bei den Gastfahrertagen im MSC Ober-Mörlen richtig wohl fühlen.
Bei Rennveranstaltungen hat Ober-Mörlen ein wirklich cooles Waschbecken mit Gittereinlage, optimal zum Reifen säubern.
An diesem HessenCup Wochenende konnte sich der Verein in seinem eigentlichen Charackter präsentieren, als ein professioneller Verein der uns den RC-Rennsport optimal ermöglicht will und darin routiniert ist.. Leider hatte hier des Wetter zum Ende den geplanten Verlauf des Wochenendes zu Nichte gemacht.
Danke
Wir freuen uns über eine vorbildliche Strecke und einen top vorbereiteten Platz. Wir betrachten es als selbstverständlich, wenn der Servicebereich uns mit einem Lächeln begrüßt und wir nehmen es als selbstverständlich hin, wenn man an Listen und Bildschirmen den Verlauf des Rennens nachvollziehen können.
Die Organisation, die regelmäßigen und klaren Durchsagen der Zeitnehmer, die Zeitnahme, Bekanntgabe der Finallaufergebnisse, die Pressluft, die Ansage der Rennleitung, den allgemeinen Service des Versorgungsbereiches und den gesamten Rahmen um eine solche Veranstaltung halten wir für selbstverständlich. Ob’s die Currywurst, die Fritten oder der Kuchen mit Sahne ist.
Dafür und für die 1A organisierte Rennveranstaltung zahlen wir den Rennbeitrag… Man sollte meinen damit sei der Danksagung genüge getan… ?
Man möge mir verzeihen, dass ich hier anderer Meinung bin. Wenn an einem solchen WoE ein Wohlfühlgefühl entsteht, dann weil es viele, viele Helfer hinter der Oberfläche gibt.
Von mir gibt es ein extra deutliches „Danke“ an die Helfer, Teilnehmer und Menschen die etwas zur Umsetzung beigetragen haben!
Links
Hier noch einmal die Homepage des Vereins:
MSC Ober-Mörlen e.V.
RC Strecken Homepage -> Klick mich
Facebook Seite des Vereins -> Klick mich
Homepage des Hessen Cups:
http://www.hessencup.de/
Facebook Gruppe RC Hessencup -> Klick mich
Rennberichte
Mika News Artikel -> Link
Videos:
Samstag -> Link
Ergebnis
Hier geht es zu den digitalen Ergebnislisten des Rennens -> Klick mich
OR8 Expert
- Aaron Rönick
- Aaron Waitz
- Björn van Beest
OR8E
- Elias Jordan (Sitensky)
- Aaron Rönick
- Tom Luca Mertins
OR8 Hobby
- Elias Jordan (Sitensky)
- Colin Lübke
- Thomas Tekaat
Jugendlauf
- Elias Jordan (Sitensky)
- Tom Luca Mertins
- Lukas Fiedel
Bilder
Hinweis des Verfassers:
Die Galeriefunktion von WordPress skaliert die Fotos ab und an unvorteilhaft. Aber mit den normalen Internet Browsern kannst Du „Öffnen im neuen Fenster“ auswählen und das Bild wird in Originalgröße und original skaliert angezeigt.














































